September 6

Diese Visualisierungsübung hilft, wenn dich Selbstzweifel plagen

Wie gehe ich mit Selbstzweifeln um?

Wie werde ich das Gefühl los, dass mir gleich jemand auf die Schliche kommt und erkennt, dass ich gar nichts auf dem Kasten habe und ein Hochstapler bin?

Bei diesen und ähnlichen Fragen kann die Übung sehr hilfreich und heilsam sein, die ich gleich vorstelle.

Selbstzweifel adieu

Sandra arbeitet als Grafikerin für eine Werbeagentur und schreibt und zeichnet in ihrer Freizeit an einem Kinderbuch. Sie kam ins Coaching, weil sie sich immer wieder selbst blockierte und schon seit einigen Wochen keinen Strich mehr für das Kinderbuch getan hatte. Auch wenn sie in der Agentur immer wieder für ihre frischen Ideen und die sorgfältige Ausführung gelobt wurde, hielt sie sich für eine „beschissene Illustratorin und Möchtegern-Autorin“ - zumindest in Bezug auf das Kinderbuch.

Jedes Mal, wenn sie sich ans Zeichenbrett oder an die Tastatur setzte, fingen nicht nur eine, sondern gleich mehrere Stimmen in ihrem Kopf an: „Du kannst es nicht. Das taugt nichts. Wer will das denn lesen? Kein Mensch findet so etwas lustig. Alle werden sie dich auslachen: Lass die Finger davon, lern erst mal Storytelling. Die Geschichte ist so lahm, da schlafen die Eltern vor den Kindern ein. Wenn du das veröffentlichst, sehen alle, was für eine lausige Zeichnerin du bist ...“ Und das waren noch die harmloseren Sprüche, die sie vom Arbeiten am Buch abhielten.

Und je länger da so ging, desto tiefer drehte Sandra sich selbst in die Selbstabwertung. Und umso stärker wuchs die Angst, jemand könnte merken, dass sie einfach nur eine Hochstaplerin ist - und dass das auch die Leute in der Agentur erkennen würden. Ja, vielleicht hatten sie es sogar schon gemerkt ...

Als die Ängste und Selbstzweifel so stark geworden waren, dass sie auch ihre Arbeit in der Agentur beeinträchtigten, nahm sie Kontakt mit mir auf.

Da die kritisierenden inneren Stimmen sehr heftig waren, habe ich mit ihr erst einmal einige Methoden ausprobiert und eingeübt, um die Stimmen zu unterbrechen. Danach habe ich ihr die folgende Visualisierungsübung gezeigt und sie gebeten, sie für die nächsten 2 Wochen täglich zu machen, bevor sie zur Arbeit geht und bevor sie sich an ihr Buchprojekt setzt.

Visualisierung Selbstzweifel

So geht die Visualisierungsübung

  1. Mach dir klar: Was ist deine Absicht? Was willst du mit dieser Übung erreichen? Was willst du, wenn du die Übung gemacht hast, tun?
    Im Beispiel von Sandras Kinderbuch-Projekt beispielsweise: Kapitel 2 der Geschichte schreiben oder die nächste Seite zeichnen.
  2. Atme aus und nimm einen tiefen, tiefen Atemzug. Und dann atmest du ruhig weiter aus und ein und konzentriere dich auf das Atmen. Damit zentrierst du dich physisch und mental. Du wirst langsamer und richtest die Aufmerksamkeit (weg von Ängsten und inneren Stimmen) auf deinen Körper und das Hier und Jetzt.
  3. Stell dir mit allen Sinnen vor, wie du das tust, was du dir in Schritt 1 vorgenommen hast. Was siehst du, was hörst du, was spürst du, was riechst und schmeckst du? Wie fühlt es sich für dich an, das zu tun?
  4. Bleib dabei, atme weiter ruhig aus und ein. Und stell dir mit allen Sinnen vor, wie du es tust.
    Im Fall von Sandra: Wie du kreativ etwas erschaffst. Wie du den nächsten Dialog schreibst, wie du die Szene x zeichnest, wie die Figuren und Farben auf dem Papier oder Bildschirm aussehen ...
  5. Erlaube dir auch, eventuelle Fehler gleich in der Vorstellung zu korrigieren. Das ist ein entscheidender Schritt bei dieser Übung: Ja, es wird möglicherweise Fehler geben (du wirst dich vertippen, einen Satz schreiben, den du hinterher korrigieren willst, du wirst eine falsche Farbe wählen, das Gesicht zu groß zeichnen ...). Und du bist in der Lage, diese Fehler zu korrigieren.

Wichtig: Falls während der Visualisierungsübung Ängste oder negative Stimmen auftauchen: Konzentriere dich auf das, was du in der Vorstellung tust. Im Fall von Sandra: Zeichnen, korrigieren, vielleicht noch einmal von vorn beginnen, aber immer im Tun bleiben.

Und was hat die Visualisierungsübung für Sandra gebracht?

Sandra ist innerhalb weniger Tage deutlich ruhiger geworden, die inneren Kritiker waren zwar nicht verschwunden - um die haben wir uns in zwei separaten Coachingsitzungen gekümmert.

Aber durch die Visualisierungsübung ist es ihr gelungen, sowohl in der Agentur als auch am eigenen Schreibtisch wieder konzentriert zu arbeiten. Sie hat gelernt, wieder ins Tun zu kommen, indem sie sich auf den eigenen Atem fokussiert und visualisiert, WIE sie zeichnet und schreibt, wieder ins Tun zu kommen. Vor allem die bildliche und emotionale Vorstellung, wie „die Sandra“ vor ihrem inneren Auge zeichnet und etwas schafft, hat dazu entscheidend beigetragen.

Was sie vorher nicht geglaubt hatte: Auch die Vorstellung, Fehler zu machen und zu korrigieren - genauer gesagt: korrigieren zu können - hat ihr geholfen, die Angst vor Fehlern und Versagen innerhalb von drei Wochen abzulegen.

Inzwischen ist es auch (wieder) kein Problem mehr für sie, wenn in der Agentur jemand etwas bemängelt oder Änderungsvorschläge hat. Damit kann sie inzwischen wieder entspannt umgehen. Sie sieht das nicht mehr als Kritik an ihr als Person, sondern als Möglichkeit, ihre Kreationen zu verbessern - und sie kann wieder klarer unterscheiden, wann eine Kritik oder ein Feedback angebracht ist und wann nicht. Die Befürchtung, als Hochstaplerin entlarvt zu werden, ist auch verschwunden.

Wenn du dir Unterstützung bei Selbstzweifeln wünschst

Die Übung kannst du gut alleine machen. Und es kann hilfreich sein, sie das erste und zweite Mal mit einem behutsamen Begleiter zu machen. Dafür stehe ich gern zur Verfügung.

Ebenso, wenn du lernen willst, mit den darunterliegenden tiefen Ängsten oder dem Gefühl umzugehen, nicht gut genug zu sein. Dazu biete ich Einzelcoachings an sowie ab Mitte Oktober einen begleiteten Onlinekurs zum Thema "Gut genug - Selbstzweifel ablegen". Mehr dazu per E-Mail und in meinem Newsletter.

Bildnachweis

Das Titelfoto stammt von Alessandro de Bellis, das Foto im Text von Motoki Tonn (beide via Unsplash).





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